28.07.2022

Hochwasserschutz in Königsbach-Stein geht in die 2. Runde

2020 hat die Gemeinde Königsbach-Stein beschlossen, 5 Mio € in den Hochwasserschutz zu stecken. In den ersten Jahren werden die 8 bestehenden Hochwasserrückhaltebecken saniert. Dafür werden bis zu 70 % Förderzuschüsse vom Land Baden-Württemberg erwartet.

Die Gemeinde Königsbach-Stein hat in den letzten Jahren, geprägt von den teilweise verheerenden Hochwasserereignissen 2013 und 2016, umfassende Gutachten zur Verbesserung der Hochwassersituation und zur Beurteilung bestehender Hochwasserschutzanlagen erstellen lassen. Aufgrund der letzten Hochwasserereignisse und der großen Betroffenheit der Bevölkerung plante die Gemeindeverwaltung 2020, sämtliche in den Gutachten dargestellten und rd. 14 Mio. € teuren Maßnahmen umzusetzen.

Die Umsetzung aller Maßnahmen war innerhalb eines vom Fördermittelgeber festgelegten Zeitraums von maximal 10 Jahren angedacht. Die Durchführung eines 14 Mio € - Projektes in diesem Zeitraum übersteigt aber die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Gemeindehaushaltes. Die Gemeinde Königsbach-Stein hat sich daher Ende 2020 entschieden, ein reduziertes Maßnahmenpaket mit jährlich rd. 0,5 Mio. € zu realisieren. Diese Haushaltsmittel werden nun sukzessive in die Sanierung der 8 bestehenden Hochwasserrückhaltebecken (HRB) in Königsbach-Stein gesteckt.

Diese bis zu 40 Jahre alten Anlagen werden zur Anpassung an die allgemeinen anerkannten Regeln der Technik unter Berücksichtigung der ökologischen Belange ertüchtigt. Die Behebung der sicherheitsrelevanten Mängel an diesen Becken tragen wesentlich zu einem verbesserten Hochwasserschutz in der gesamten Gemeinde bei.

Bis zur Umsetzung einer Beckensanierungsmaßnahme vergehen aufgrund vorangehender umwelt- und naturschutzrechtlicher Untersuchungen, planungs- und wasserrechtlicher Verfahren sowie Grunderwerbsverhandlungen bis zu 2 Jahre Vorlaufzeit.

 

Als erstes Hochwasserrückhaltebecken wurde im Jahr 2021 das HRB Pfitztal saniert. Es wurde eine überströmungssichere Hochwasserentlastungsanlage als Schüttsteindeckwerk mit Überfallschwelle hergestellt und der Rochdurchlass DN 800 ausgetauscht. Unterhaltungswege am Dammfuß und auf der Dammkrone, ein räumlicher Rechen am Grundablass sowie eine wasserseitige Böschungstreppe wurden neu gebaut sowie ein Beckenpegel installiert.

Die Baumaßnahme am HRB Pfitztal hat mit sämtlichen Nebenkosten (Planung, Baubegleitung, umwelt-/naturschutzrechtliche Untersuchungen/Auflagen) ca. 660.000 € gekostet. Es werden dafür Fördergelder in Höhe von ca. 430.000 € vom Land Baden-Württemberg für wasserwirtschaftliche Vorhaben erwartet.

Vor Beginn der Sanierungsmaßnahme wurde bei Untersuchungen festgestellt, dass beim HRB Pfitztal verschiedene Arten vorkommen, die umgesiedelt oder vergrämt werden müssen. Es wurden für die im Eingriffsbereich des HRBs lebenden Zauneidechsen sowie Holzkäfer eine Ausgleichsfläche mit Refugien, z.B. einem Totholzhaufen, zur Umsiedelung vor Beginn der Maßnahme erstellt. Auch während der Sanierungsmaßnahme wurde durch eine ökologische Baubegleitung der Schutz von Fauna und Flora sichergestellt.

HRB Pfitztal nach der Sanierung

Foto: HRB Pfitztal nach der Sanierung

 

 

In der 2. Runde wird ab Herbst 2022 das HRB Lindtal angegangen. Auch hier, an diesem knapp 4.000 Kubikmeter großen Rückhaltebecken werden wie am HRB Pfitztal eine überströmungssichere Hochwasserentlastungsanlage als Schüttsteindeckwerk mit Überfallschwelle hergestellt und der Rochdurchlass DN 500 ausgetauscht. Unterhaltungswege am Dammfuß und auf der Dammkrone, ein räumlicher Rechen am Grundablass sowie eine wasserseitige Böschungstreppe werden neu gebaut sowie Beckenpegel installiert. Zusätzlich wird am HRB Lindtal der Anschluss eines Seitengrabens saniert, in dem der Durchlass auf DN 1000 vergrößert und das Einlaufbauwerk inklusiv räumlicher Rechen neu hergestellt wird.

Die Baumaßnahme am HRB Lindtal wird mit sämtlichen Nebenkosten (Planung, Baubegleitung, umwelt-/naturschutzrechtliche Untersuchungen/Auflagen) voraussichtlich ca. 760.000 € kosten. Es werden dafür Fördergelder in Höhe von ca. 440.000 € vom Land Baden-Württemberg für wasserwirtschaftliche Vorhaben erwartet.

Ebenfalls wurden am HRB Lindtal vorab umwelt- und naturschutzrechtliche Untersuchungen durchgeführt. Für den Hirschkäfer wird der Wurzelstubben eines zu fällenden Baumes umgesiedelt. Dieser wird in das schon für das HRB Pfitztal neu erstellte Refugium für Zauneidechsen und Holzkäfer verbracht. Für Fledermäuse und Steinkäuze werden neue Quartierskästen angebracht. Obstbäume werden neu gepflanzt und Magere Mähwiesen neu angelegt.

Die Sanierungsmaßnahmen für das zweite von insgesamt 8 Hochwasserrückhaltebecken (HTB) in der Gemeinde Königsbach-Stein wurden im Mai 2022 ausgeschrieben. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 04.05.2022 den Baubeschluss gefasst. Am 19.07.2022 hat der Gemeinderat die Vergabe an die Baufirma beschlossen – somit können die Bagger im Herbst 2022 anrollen.

 

HRB Lindtal vor der Sanierung

Foto: HRB Lindtal vor der Sanierung

 

Weitere Informationen erhalten Sie unter der Rubrik Hochwasserschutz:

https://www.koenigsbach-stein.de/rathausnachrichten/hochwasserschutz-id_1679/