• Impressionen aus Königsbach-Stein
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Sicher im Sattel

Beim Ferienprogramm dreht sich einen Vormittag lang alles ums Pferd

Stoßartig drückt Mira die Luft aus ihren Nüstern. „Abschnauben“ nennt man dieses vibrierende Geräusch, das Pferde vor allem dann machen, wenn es ihnen gut geht, wenn sie zufrieden sind. Mira schnaubt am Montagvormittag oft ab. Die 25 Jahre alte Haflinger-Stute war früher ein Voltigierpferd und ist es gewohnt, viele Menschen um sich zu haben. Auch beim Sommerferienprogramm bringt sie nichts aus der Ruhe, als acht Kinder im Alter von neun bis elf Jahren mit ihr einen kleinen Ausflug unternehmen. Es geht durch das Kuchental, das am Rand von Stein in Richtung Bretten liegt und eine beeindruckende Aussicht auf den Ort und die umliegenden Hügel bietet. Zu zweit dürfen die Kinder auf Miras Rücken reiten, während Stefanie Jost die Zügel fest in der Hand hält. Sie hat den Vormittag organisiert und zeigt den Kindern, wie sie mit den Pferden richtig umgehen. Neben Mira ist auch noch Brenda dabei, ein 19 Jahre altes Mini-Pony, das sich brav an der Leine führen lässt.

 

„Die Kinder sollen heute Spaß haben“, sagt Jost, die trotzdem großen Wert auf Sicherheit legt. Seit zwei Jahren bietet sie schon Kindergeburtstage mit Ponys an und vermittelt dabei den Kindern, dass Pferde keine Spielzeuge sind, sondern Lebewesen, um die man sich kümmern muss. „Die Kinder müssen mit dem Pferd umgehen können, nicht nur damit reiten.“ Das gehöre einfach dazu. Deswegen steht auch beim Ferienprogramm zuerst das ausgiebige Putzen an: Kreisförmig bewegen die Kinder den Striegel über das Fell, um damit den Dreck zu lösen. Anschließend kommt die Bürste zum Einsatz, die eigentlich Kardätsche heißt und dafür zuständig ist, den zuvor gelösten Dreck endgültig zu entfernen. Ganz wichtig dabei: Nicht direkt hinter dem Tier stehen, denn nicht alle Pferde sind so zahm wie die von Stefanie Jost. Manche treten auch aus. „Ich sage den Kindern immer: Nicht jedes Pferd ist Brenda und Mira.“ Dann erklärt Jost ihnen, wie man ein Pony richtig führt – und zwar, indem man links von ihm läuft, auf der Höhe des Kopfes, den Strick nicht um die eigene Hand gewickelt, sondern in einer lockeren Schlaufe zusammengelegt.

 

Das Voltigieren üben die Kinder zunächst auf einem Turnbock, bevor sie es auf einem echten Pferd versuchen dürfen. „Es kommt ganz stark auf die Körperspannung an“, erklärt Jost, die zusammen mit einer Freundin beim Reit- und Fahrverein Kämpfelbachtal die beiden Voltigiergruppen leitet. Anschaulich erklärt sie den Kindern den Grundsitz, bei dem die Füße nach unten und die Arme zur Seite gestreckt werden. Die Finger sind zusammen, die Augen schauen nach vorne, der Oberkörper sitzt aufrecht. Jost hat den Vormittag genau durchgeplant: Nach dem Voltigieren steht noch ein kleiner Ausflug auf dem Programm: Mit dem Mini-Pony Brenda und der Haflinger-Stute Mira geht es ins Kuchental. Ein Junge will zunächst nicht reiten, setzt sich dann aber doch auf Miras Rücken – und es dauert keine zehn Sekunden, bis er vor Freude strahlt. „Das erlebe ich oft“, sagt Jost: „Zuerst wollen die Kinder nicht und wenn sie dann draufsitzen, kriegt man sie gar nicht mehr runter.“ – Nico Roller

Veröffentlicht am Dienstag, 15. September 2020