• Impressionen aus Königsbach-Stein
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Die Buche steht unter Druck

Trotz regnerischen Sommers: Waldbegang in Königsbach-Stein zeigt Folgen der Trockenheit

Wer den Kopf in den Nacken legt und nach oben schaut, der entdeckt im Wald relativ schnell die Buchen mit den dürren Kronen. Im oberen Bereich des Gewanns „Birkig“, an der Grenze zu Neulingen, sind es nur vereinzelte, denn hier besteht der Untergrund aus einer Lössauflage mit einem ein bis zwei Meter dicken, gut durchwurzelbaren Oberboden. Je weiter es runter ins Tal geht, desto schlechter wird der Standort, desto größer werden die Schäden an den Buchen, desto lichter wird das Kronendach. Denn der Kalkverwitterungslehm dort hat deutlich weniger Oberboden und kann das Wasser schlechter halten. Die Wurzeln treffen viel schneller auf eine Steinschicht, in die sie nicht eindringen können. Bei Trockenheit haben die Bäume dann schneller ein größeres Problem. „Wenn man die Schäden sieht, dann weiß man, wie der Boden darunter ist“, sagt Andreas Roth. Es gebe viele Standorte, an denen die Buche noch gut könne. „Aber es gibt auch einige, die uns Sorgen bereiten.“

Am Freitagnachmittag führt der Leiter des Enzkreisforstamts den Königsbach-Steiner Gemeinderat zusammen mit Revierförster Thilo Klotz gut anderthalb Stunden lang durch den Gemeindewald im Gewann „Birkig“. In den Trockenjahren hat es laut Klotz große Ausfälle bei den alten Buchen gegeben. Rund 60 Prozent des Einschlags in diesem und im vorigen Jahr seien auf Schadholz zurückzuführen. Klotz vermutet, dass das auch in den nächsten zehn Jahren so bleiben wird. Die Buche ist im Königsbach-Steiner Gemeindewald die dominierende Baumart. Trotz aller Probleme, die sie hat: Roth sagt, man wolle bei ihr weiterhin mit Naturverjüngung arbeiten. Denn er geht davon aus, dass die Buche anpassungsfähig ist und sich in den nächsten Generationen bis zu einem gewissen Grad an trockenere Verhältnisse gewöhnen kann. Wo die Standorte schlechter sind und die Naturverjüngung schwierig ist, will man dagegen mit einer Baumartenmischung aus klimaresistenten Baumarten reagieren. Dazu gehören einheimische Arten wie Eiche, Elsbeere, Speierling, Hainbuche und Feldahorn, aber auch nicht-einheimische wie Douglasie, Baumhasel, Zeder und Tulpenbaum.

Dass es dieses Jahr viel geregnet hat und nicht so warm war, freut die Förster. Dennoch machen sie dem Gemeinderat beim Waldbegang keine Illusionen: Die Auswirkungen der Trockenheit werden noch lange zu spüren sein. „Die Bäume stecken das nicht einfach so weg“, sagt Roth: Dieses Jahr seien die Schäden zwar nicht schlimmer geworden: Die Bäume hätten von dem Regen und der Kälte profitiert. Aber gelöst ist das Problem deswegen noch lange nicht. Ein Grund dafür sind die der Wasseraufnahme dienenden Feinwurzeln, die in der Trockenheit verloren gegangen sind und erst wieder aufgebaut werden müssen. Ein Prozess, der ebenso wie das Bilden von Wasserfäden mehrere Jahre dauert. Roth sagt, es sei gut gewesen, dass es dieses Jahr nicht so viel Sonneneinstrahlung gab, weil sich die Bäume so erholen konnten. Aber er sagt auch: „Die dürren Äste werden nicht mehr grün.“ Wenn große Kronenteile abgestorben sind, dann nützen auch feuchte, kalte Jahre nichts mehr. Zumindest bei der Buche, die im Königsbach-Steiner Gemeindewald mit einem Anteil von 43 Prozent dominiert.

Dahinter folgt die Douglasie mit 15 Prozent. Die vom Borkenkäfer besonders bedrohte Fichte hat nur einen Anteil von sechs Prozent, der allerdings laut Roth noch deutlich zurückgehen wird. Insgesamt ist der Gemeindewald in Königsbach-Stein rund 900 Hektar groß – eine im Enzkreis durchschnittliche Größe. Mehr als 70 Prozent sind Laubwald, der Nadelholzanteil liegt unter 30 Prozent. Bürgermeister Heiko Genthner (parteilos) betont, wie wichtig Waldbegehungen für den Gemeinderat sind: „So ist man bei anstehenden Entscheidungen viel besser informiert.“

Veröffentlicht am Donnerstag, 7. Oktober 2021