• Impressionen aus Königsbach-Stein
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Bei Wind und Wetter im Einsatz für die Natur

Bachpaten kümmern sich ehrenamtlich um außerörtliche Bereiche von Kämpfel- und Bruchbach
Bachpaten kümmern sich ehrenamtlich um außerörtliche Bereiche von Kämpfel- und Bruchbach

Ratternd und knatternd setzt sich der Forstschlepper in Bewegung. Obwohl er eine Menge Leistung unter der Haube hat, bereitet es ihm Schwierigkeiten, den fast fünf Meter hohen Strauch mitsamt seiner Wurzel aus der Erde zu ziehen. Zumal der Boden vom Regen der vorangegangenen Tage auch noch feucht und aufgeweicht ist. Immer wieder setzt sich die schwere Maschine in Bewegung. Jedes Mal ragt ein bisschen mehr von der Wurzel aus dem Boden. Nach einigen Versuchen ist es geschafft: Der Strauch ist raus. Wo er eben noch stand, klafft nun ein rund 50 Zentimeter tiefes Loch im Boden, das sich sofort mit Wasser füllt. „Gumpen“ sagt Harry Faaß dazu. Er leitet die Bachpatengruppe Kämpfelbach und ist an diesem Samstagvormittag zusammen mit zwölf weiteren ehrenamtlichen Helfern am Bruchbachsee zwischen Stein und Bilfingen im Einsatz. Wobei das Wort „See“ eigentlich eine Übertreibung für das zwischen unzähligen Bäumen liegende, etwa knietiefe Gewässer ist. Tümpel würde es wohl eher treffen. Wo Laien nur eine braune, schlammige Pfütze sehen, erkennen Faaß und seine Kollegen den Bruchbachsee: ein Gewässer mit ökologischer Bedeutung. Eines von vielen Gewässern, um das sie sich ehrenamtlich kümmern.

 

An diesem Vormittag entfernen sie die Weiden-Sträucher, die im Bruchbachsee in den vergangenen Jahren wild aufgegangen sind. Ein dickes Seil legen sie um den Stamm, dann ziehen sie mit einer Seilwinde – so lange, bis der Strauch mitsamt Wurzel entfernt ist. Absägen allein würde nur wenig bringen, erklärt Faaß: „Die Weiden würden sofort wieder austreiben.“ Ziel des Arbeitseinsatzes ist, den Bruchbachsee teilweise wieder gehölzfrei zu machen. Aber warum eigentlich? „Damit Tiere dort laichen können“, sagt Faaß. Der Leiter der Bachpatengruppe kann sich noch an die Zeit erinnern, als der See noch nicht zugewachsen war: Als er vor 35 Jahren seinen Führerschein machte, konnte man den nur wenige Hundert Meter entfernt liegenden Bilfinger Weg im Frühjahr nicht mehr befahren. „Die Straße war braun vor lauter Kröten.“ Faaß vermutet, dass das Zuwachsen des Sees dafür verantwortlich ist, dass die Kröten dort seit einiger Zeit nicht mehr laichen. Denn dazu brauchen sie ein gewisses Maß an Sonnenlicht. Indem sie einige der Sträucher auf der Südseite des Sees entfernen, wollen die Bachpaten genau dafür sorgen. Ob die Aktion Erfolg haben wird, ob die Kröten tatsächlich zurückkommen, kann Faaß nicht sagen. Sein könnte es durchaus, denn der Bruchbachsee wird von einer unterirdischen Quelle gespeist und hat deswegen das ganze Jahr über Wasser. „Ich habe noch nie erlebt, dass er ausgetrocknet war“, erzählt Faaß, der früher, als Kind, noch an dem See gespielt hat. Für Kröten ist das ideal: Damit ihre Brut nicht vorzeitig verendet, muss sie dauerhaft im Wasser liegen. Im Frühjahr, wenn es keinen Frost mehr gibt, legen die Elterntiere ihre Eier, aus denen sich bis zum Sommer Kaulquappen und anschließend die Jungtiere entwickeln.

 

Faaß betont: „Es gibt keine Garantie, dass wir Erfolg haben.“ Aber einen Versuch sei es auf jeden Fall wert. „Gar nichts zu machen, bringt ja auch nichts.“ In zwei bis drei Jahren wisse man mehr. In Geduld sind die Bachpaten ohnehin geübt. Ihre Maßnahmen sind langfristig angelegt und sollen nachhaltige Wirkung haben. Ehrenamtlich kümmern sie sich um die gesamten außerorts liegenden Gewässerflächen des Kämpfel- und des Bruchbachs. Die Gehölzpflege gehört auch dazu: Beim Auslichten müssen überschüssige Bäume entfernt werden, um die Struktur des Bachs zu erhalten. Ein Gehölzsaum müsse gepflegt werden, erklärt Faaß: Es brauche einen Bewuchs, der die Uferbefestigung gewährleistet und gleichzeitig eine Abwechslung zwischen jungen und alten Bäumen aufweist. Abgestorbene Bäume lassen Faaß und seine Kollegen nach entsprechender Sicherung bewusst stehen: „Totes Holz ist voller Leben.“ Auch um die Pflege natürlich vorkommender Sträucher wie Holunder, Haselnuss und Pfaffenhütchen kümmern sich die Bachpaten. Jedes Jahr schaffen sie ein paar hundert Meter. Fertig sein werden sie nie, weil sich die Natur ständig entwickelt. Nicht alle Helfer sind Mitglieder bei den Bachpaten. Manche beteiligen sich auch einfach so an den Aktionen, um der Natur etwas Gutes zu tun und die heimischen Kulturlandschaften zu erhalten. Sie arbeiten bei jedem Wetter – egal, ob es regnet, schneit oder bitterkalt ist. Auch bei 20 Grad unter null waren sie schon im Einsatz. „Wenn wir es nicht machen, dann macht es keiner“, sagt Faaß lächelnd. – Nico Roller

 

Keine verschworene Gemeinschaft

Manche Helfer sind nicht Mitglied bei den Bachpaten, sondern beteiligen sich einfach so an den Pflegemaßnahmen, weil sie Spaß an der Arbeit im Freien haben und etwas Gutes für die Umwelt tun wollen. Aber wie wird man eigentlich Bachpate? Anders als bei einem Verein kann man den Bachpaten nicht einfach beitreten. Man wird dazu ernannt. „Das ist eine große Ehre“, sagt Faaß. Denn für den Bereich Kämpfel- und Bruchbach gibt es nur 16 vom Karlsruher Angelverein genehmigte Bachpaten. Das bedeutet: Nur, wenn ein Mitglied aussteigt oder aufhört, kann man neu dazustoßen. Zusammen mit „dem harten Kern“ sucht Faaß denjenigen aus, der nachrücken soll. „Es muss jemand sein, der sich durch Anwesenheit und Engagement auszeichnet.“ Dabei hat Faaß auch immer den Altersschnitt im Blick und versucht, möglichst auch junge Mitglieder zu gewinnen. Denn mit der Arbeit der Bachpaten soll es auch in Zukunft weitergehen. Dabei sind die Bachpaten bei weitem nicht die einzigen, die sich in der Region ehrenamtlich um Gewässer kümmern. Eine PZ-Nachfrage beim Landratsamt ergab, dass sich in diesem Bereich noch einige andere Organisationen engagieren, unter anderem bei Bachputzeden und Gehölzpflegemaßnahmen. – rol

 

 

Seit fast 30 Jahren im Einsatz

Die Bachpaten gehören zum Anglerverein Karlsruhe, der sich vor rund 30 Jahren für die Übernahme der Patenschaft bei den Gemeinden Königsbach-Stein und Kämpfelbach beworben hat. Auf den Gemarkungen der beiden Gemeinden kümmern sich die Bachpaten auf einer Länge von rund zwölf Kilometern um den Kämpfel- und um den Bruchbach. 1991 gegründet, startete die Gruppe zunächst mit 13 ehrenamtlichen Bachpaten unter der Leitung von Helmut Helbach. Nachdem er 2002 verstarb, übernahm Helmut Fohler das Amt, bis er es 2015 an Harry Faaß weitergab. In den zurückliegenden 25 Jahren haben die Bachpaten rund 3250 Erlen gepflanzt und gepflegt. Hinzukommen zahlreiche Weiden und standortgerechte Sträucher. Ein durchgängiger, strukturierter Gehölzsaum erleichtert vielen Wildtieren das Wandern. Faaß spricht von einer „Autobahn für Tiere“. Durch gezielte Bepflanzung und den Einbau von Strömungslenkern erhielt der Bachlauf wieder natürliche Kurven, die bei der in den 1930er-Jahren erfolgten Begradigung entfernt worden waren. Bis heute sind 24 naturgemäße Ufersanierungen auf rund 1000 Metern ausgeführt worden. Zwei Mal pro Jahr nehmen die Bachpaten eine chemische und biologische Gewässeruntersuchung vor. Der Kämpfelbach verfügt über eine gute Wasserqualität und ist daher auch für empfindliche Fische wie Forellen geeignet. Jedes Jahr setzen die Bachpaten vom Anglerverein aufgezogene Forellen ein, weil es in dem Bach zu wenig Brutmöglichkeiten für sie gibt. Auch die Wasseramseln hat man wieder angesiedelt, etwa durch das Anbringen von Nistkästen. Heimische Kleinfische wie Elritze, Stichling oder Schmerle liegen den Bachpaten ebenfalls am Herzen. Außerdem versuchen sie derzeit, Edelkrebse anzusiedeln. Bisher hatte man damit allerdings keinen nachhaltigen Erfolg. Um der Sache auf den Grund zu gehen, soll bald eine Bestandsaufnahme erfolgen. – Nico Roller

 

Zahlen zum Thema

500 Arbeitsstunden absolvieren die Bachpaten jährlich.

16 aktive Mitglieder haben die Bachpaten Kämpfelbach.

60 Kopfweiden schneiden die Bachpaten jährlich zurück.

Veröffentlicht am Mittwoch, 27. November 2019