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Geschichten aus dem Leben

Die „Voices in motion“ bringen mit Ballettschule und Kinderchor ein Musical auf die Bühne
Die „Voices in motion“ bringen mit Ballettschule und Kinderchor ein Musical auf die Bühne

Eine Ballerina stand ganz allein auf der Bühne und begann, zu einer gleichförmigen Melodie zu tanzen. Sie reckte die Arme in die Höhe und drehte sich so schnell, dass ihr Tutu im Wind flog. Ein paar Meter weiter saß ein grauhaariger Mann an einem Tisch, den dieser Anblick an seine alte Spieluhr erinnerte. An die, die er einst als Kind besessen hatte. Der von Andreas Frey gespielte Grauhaarige war am Sonntagabend als Erzähler der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Von seinem – freilich frei erfundenen – Leben erzählte das Musical, das die Steiner „Voices in motion“ zusammen mit der Remchinger Ballettschule, dem Kinderchor „Hitsköpfe“ aus Königsbach und einer Band auf die Bühne der Remchinger Kulturhalle gebracht hatten.

 

Der Grauhaarige berichtete von seiner Kindheit, von der Zerstörung nach dem Krieg, vom ersten Schultag, von der verrückten Hippie-Zeit und von den Mädchen, in die er als Jugendlicher verliebt war. Seinem Enkel Tom (Ilene Kroll) erzählte er von den Demonstrationen, bei denen er mitgelaufen ist, und von den Hausaufgaben, die ihn als Schüler nie wirklich interessiert haben. In seinem Leben ist so manches nicht perfekt gelaufen. Sei es die missglückte Reise nach Leningrad oder die Trennung von seiner Frau. Kumpel Ritchie (Theo Weiss) sei Dank, erkannte der Grauhaarige am Ende: „Es ist mein Leben.“ Jetzt flog die graue Perücke vom Kopf, die Lederjacke und das geblümte Hemd ersetzten die altbackenen Klamotten. Bis es allerdings so weit war, wirbelten 15 Tänzerinnen und ein Tänzer der Ballettschule, mal in Schuluniformen, mal in Malerkitteln, mal in bunten Outfits, immer wieder über die Bühne, präsentierten nahtlos ineinandergreifende Choreografien und Hebefiguren auf hohem Niveau. Drei Monate hatten sie unter der Leitung ihrer Trainerin Penelope Robinson-Debatin dafür geübt. Noch mehr Zeit, nämlich mehr als ein Jahr, hatten die „Voices in motion“ in die Vorbereitung des aufwändig inszenierten Musicals investiert.

 

Unter der Leitung von Juna Tcherevatskaja präsentierten die 35 Sänger vor allem Modernes, darunter Titel von Adele, Bon Jovi, Pink Floyd, Katy Perry, Stevie Wonder, Andreas Burani, Bruno Mars und Herbert Grönemeyer. Als „Nessaja“ an der Reihe war, erhielten sie Unterstützung von den Kindern der „Hitsköpfe“, die zusammen mit ihrer Leiterin Christiane Neumann spielerisch den Spaß am Singen entdecken. Nicht nur ihnen, sondern allen mehr als 60 Mitwirkenden war am Ende des gut zweistündigen Musicals tosender Applaus sicher. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass die „Voices in motion“ mit der Ballettschule zusammengearbeitet hatten. In den zurückliegenden 20 Jahren hatte es immer wieder Kooperationen zwischen den zur Steiner Chorvereinigung gehörenden Sängern und den Remchinger Tänzern gegeben. – Nico Roller

Veröffentlicht am Dienstag, 10. Oktober 2017