• Impressionen aus Königsbach-Stein
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Das Entschuldigen fällt am schwersten

Sieben jugendliche Sprayer waren auf Wiedergutmachungstour und entfernten Graffitis
Die Unterführung neben dem Königsbacher Sportgelände „Plötzer“ in Richtung Bilfingen war nur einer von vielen Orten, an denen die Jugendlichen Graffitis entfernten. (rol)

Mit Pinsel und Farbe zogen am Freitag (8.9.) sieben Jugendliche durch Königsbach, Bilfingen und Eisingen, um gesprayte Bilder, Schriftzüge und Kritzeleien wieder zu entfernen. Die meisten von ihnen machten damit das wieder gut, was sie zuvor mit ihren Graffitis angerichtet hatten. Darum geht es nämlich beim Anti-Graffiti-Mobil: um Wiedergutmachung. Und dazu gehört auch, sich bei den Geschädigten zu entschuldigen. Das falle den Jugendlichen oft am schwersten, sagte Polizeihauptkommissar Volker Weingardt vom Pforzheimer Haus des Jugendrechts: „Die Jugendlichen scheuen oft die direkte Konfrontation.“ Dabei sei gerade der Täter-Opfer-Ausgleich wichtig. Seit 2003 tourt das Anti-Graffiti-Mobil schon durch die Region und verfolgt das Ziel, Pforzheim und den Enzkreis von aufgesprühten Kritzeleien zu befreien. Dass das oft gar nicht so leicht ist und lange braucht, merkten die Jugendlichen auch am Freitag ziemlich schnell. „Die meisten sind das körperliche Arbeiten nicht gewohnt“, sagte Weingardt. Viele kämen daher schon während der anstrengenden Arbeit zu der Einsicht, nie wieder illegal sprühen zu wollen. Die Rückfallquote liegt bei null Prozent.

 

Begleitet wurden die Jugendlichen von Polizeibeamten und von Vertretern der Malerinnung. Letztere waren ehrenamtlich im Einsatz, verzichteten auf ihren Lohn. Am Freitag war unter anderem Altmalermeister Adolf Seiter dabei. Er zeigte den Delinquenten, wie sie vorgehen müssen, um die aufgesprühte Farbe wieder zu entfernen oder zu überstreichen. Damit wolle er den jungen Menschen wieder auf den rechten Weg helfen, erklärte Seiter seine Motivation: „Das ist die beste Therapie.“ Ausgebessert wurden nur die Stellen, die tatsächlich durch die Graffitis verunstaltet wurden. Die lagen unter anderem am Königsbacher und am Bilfinger Bahnhof, in den Ortsmitten von Königsbach und Bilfingen, an der Unterführung neben dem Königsbacher Sportgelände „Plötzer“, an einem Eisinger Spielplatz und an der Trafostation am Eisinger Kindergarten. Mit einem Farbmessgerät wurde im Voraus der Farbton des besprühten Untergrunds ermittelt. Mit der RAL-Nummer, die das Gerät ausspuckte, konnte im Fachgeschäft die passende Farbe besorgt werden. Man verwende nur hochwertige Farbe, erklärte Weingardt.

 

Die Farbe und das übrige Material wurden übrigens durch staatsanwaltschaftlich oder gerichtlich verhängte Geldauflagen und durch Spenden finanziert. Indem die Jugendlichen ihre Schäden selbst beseitigen, gehen sie Schadensersatzforderungen aus dem Weg, die sich schnell in schwindelerregenden Höhen bewegen können. Damit verhindere man, dass sie sich schon in jungen Jahren verschulden müssen, erklärte Weingardt. Allein am Freitag haben die sieben Jugendlichen in einer Arbeitszeit von knapp acht Stunden Schäden in Höhe von rund 10 000 Euro beseitigt. „Aus Schaden wird man klug“, meinte Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner, der den Jugendlichen zusammen mit seinem Königsbach-Steiner Amtskollegen Heiko Genthner bei der Arbeit einen kurzen Besuch abstattete. Das Anti-Graffiti-Mobil sei ein sinnvolles Projekt, waren sich die beiden Rathauschefs einig. Das Ganze habe vor allem einen erzieherischen Effekt, meinte Genthner. Und Kleiner sagte, man merke, dass den Jugendlichen ihre Taten peinlich seien. - Nico Roller

Veröffentlicht am Dienstag, 12. September 2017