Bauweise der Fachwerkhäuser

 
  Stein ist reich an verschiedenartigen Fachwerkhäusern, die bis heute das Gesicht des Dorfes maßgeblich bestimmen. Wie in den Städten waren auch in Stein im 15. bis 18. Jahrhundert die Häuser in der Regel Holzhäuser. Das steinerne Unter- oder Sockelgeschoß diente als Stallung oder Wirtschaftsraum. Die Obergeschosse waren zum Wohnen bestimmt. Die älteren Häuser stehen meist mit dem Giebel zur der Straße, die längere Seite geht in die Tiefe des Grundstücks (Siglingen’sches Haus, Schmiede).
Im 18. und 19. Jahrhundert kommen dann die Steinhäuser auf, die wie die Fachwerkhäuser aus jener Zeit mit dem First parallel zur Straße stehen. Diese Häuser haben ein breites Einfahrtstor von der Straße nach dem hinter dem Haus liegenden Wirtschaftshof.


















Die Wände der Holzhäuser werden durch Fachwerk gebildet, das aus vierkantig gehauenen Hölzern besteht. Die Zwischenräume, die sogenannten Fache, sind mit Lehmstackung oder Backsteinen ausgefüllt. Zu jeder Wand gehört eine Schwelle, in der senkrecht die tragenden Pfosten stehen, die oben durch Rahmen miteinander verbunden sind. Damit die Wände sich nicht seitlich verschieben können, werden an den Pfosten schräge Hölzer (Streben) angesetzt. Querriegel teilen die Wand weiter auf. Der untere Querriegel verläuft in der Höhe der Fensterbank, der obere zwischen den Fenstern.

Aus der Art, wie die Hölzer miteinander verbunden und wie die Wandteile der übereinanderliegenden Stockwerke und das Gebälk zusammengefügt sind, kann man erkennen, welcher Stilart das Fachwerkhaus angehört.
Beim deutschen Fachwerkhaus unterscheidet man das sächsische, fränkische und alemannische Haus. In Süddeutschland finden wir nur die fränkische und alemannische Bauart, vor allem den fränkischen Baustil, der nach und nach den alemannischen Stil verdrängt hat. Oft sind jedoch beide Arten als Mischform zu finden.
So finden wir in Stein bei den zwei ältesten Häusern den alemannischen Einfluß, während die jüngeren Häuser in fränkischer Art erstellt wurden. Beim alemannischen Baustil laufen die Pfosten durch bis aufs Stockgebälk, und die Schwellen sind zwischen die Pfosten eingesetzt. Bei den fränkischen Häusern dagegen stehen die Pfosten stets in der Schwelle.

Interessant sind auch am Siglingen’schen Haus und der Schmiede die Verstrebungen, die zum Teil kreuzweise ausgeführt worden sind. Das sind Andreaskreuze, die in der alemannischen Bauweise besonders beliebt waren. In den Wänden der fränkischen Art fehlen die Kreuze und sind durch Schrägstreben ersetzt. Ein typisches Zeichen alemannischen Stiles am Siglingen’schen Haus sind die Konsolenverzierungen unter den Rahmen des ersten Stockwerkes an der Ecke zur Brettener Straße.

An einer ganzen Reihe von Fachwerkhäusern älterer fränkischer Bauart - sie stehen mit den Giebeln zur Straße - finden wir hübsche Vordächer, die als Schutz für die hervorragenden Balkenköpfe dienten.