Das Rathaus und seine Geschichte

 

Wann das Rathaus errichtet worden ist, lässt sich nicht genau sagen. Keine Urkunde und keine etwa im Balkenwerk des Hauses eingeschnittene Jahreszahl gibt darüber Auskunft. Aus dem Baustil lässt sich ungefähr erschließen, dass das Rathaus in der fränkischen Holzbauweise im deutschen Renaissancestil etwa von 1610 bis 1650, also zur Zeit des 30jährigen Krieges, gebaut wurde.
Im Jahre 1622 wurde Königsbach von kaiserlichen Truppen größtenteils niedergebrannt. Auch das damalige Rathaus wurde Opfer der Flammen. In den folgenden Jahren wurde dann das zerstörte Rathaus in seiner heutigen Form wieder aufgebaut.
Am Rathaus ist eine Tafel zum Gedenken an den aus Königsbach stammenden Baumeister Johannes Schoch angebracht. Darum wird auch angenommen, dass Schoch auch der Erbauer des Königsbacher Rathauses gewesen ist. Zeitlich gesehen ist dies möglich, da Schoch 1550 in Königsbach geboren und 1631 in Straßburg gestorben ist. Es ist ebenfalls bekannt, dass der Baumeister während seiner Straßburger und Heidelberger Zeit auch außerhalb seines eigentlichen Wirkungskreises Bauaufgaben übernommen hat. So ist denkbar, dass Schoch schon vor dem 30jährigen Krieg in Königsbach ein Rathaus gebaut hat, das nach der Zerstörung von 1622 neu errichtet worden ist. Weniger wahrscheinlich ist es, dass Schoch erst nach dem Jahre 1622 das Rathaus gebaut hat, denn da war er schon über 70 Jahre alt und konnte wegen seines Alters seinen Pflichten bei seiner letzten Tätigkeit in Straßburg nicht mehr voll gerecht werden. Seit 1627 befand er sich im Ruhestand.

An der linken Längsseite des Rathauses ist ein Türsturz mit einem Steinmetzzeichen und der Jahreszahl 1522 eingemauert. Man nimmt an, dass dies ein Überrest von jenem älteren Rathaus ist, das 1622 von Tillys Soldaten niedergebrannt wurde.

Auf dem über sechs Metern hohen Dachreiter steht an der Spitze auf einer Metallkugel eine menschliche Gestalt aus Schmiedeeisen. In der einen Hand das Schwert und in der anderen die Waage.
Das Schwert ist ein Symbol der Entscheidung, der Trennung in Gut und Böse und damit auch Sinnbild der Gerechtigkeit.
Die Waage ist das Symbol des maßvollen Gleichgewichts, der Gerechtigkeit und damit des Richtens und der öffentlichen Rechtssprechung.
Diese Sinnbilde erinnern daran, dass in früheren Zeiten das Rathaus vor allem eine Stätte der Rechtssprechung und des Gerichtes waren.
Präge- oder Siegelstock
mit Hammer
Eigentum der Gemeinde
Königsbach-Stein


„Halsgeige“ von 1726
Eigentum der Gemeinde
Königsbach-Stein
2002 wurde das neue Rathaus eingeweiht.
Es wurde hinter dem alten Rathaus erbaut und ist mit diesem harmonisch verbunden.
2004 wurde der Marktplatz vor dem Rathaus neu gestaltet.